Die Digitalisierung aller Lebensbereiche transformiert das gesellschaftliche und soziale Miteinander. Es entstehen neue kulturelle Vorstellungen von Sorgebeziehungen, die ältere Menschen vor Herausforderungen stellen können. Diese gelten insbesondere für Alleinlebende im Alter, die seltener digitale Geräte benutzen und bei der Bewältigung von zunehmend digitalisierten Aufgaben (Termine, Buchungen, finanzielle Angelegenheiten) auf Unterstützung angewiesen sind. Der vorliegende Artikel untersucht das Verhältnis von Digitalisierung und Sorgebeziehungen von alleinlebenden älteren Menschen mithilfe einer kritischen Dokumentenanalyse nach Bacchi. Dieses Vorgehen ermöglicht es, das Verständnis hinter den Begriffen Alleinleben, Sorgebeziehungen und Digitalisierung in Bezug auf ältere Menschen einzeln und im Zusammenspiel in den Blick zu nehmen sowie Leerstellen sichtbar zu machen. Die Analyse von Sozialgesetzgebung und politischen sowie zivilgesellschaftlichen Dokumenten führt zu zwei zentralen Ergebnissen: Zum einen wird eine individuelle Verantwortungszuschreibung im Hinblick auf die Versorgung sowie den Zugang und Umgang mit Digitalisierung an ältere Menschen und ihre Beziehungsnetzwerke deutlich. Diese Individualisierung erscheint besonders signifikant, da die Digitalisierung als Lösungsansatz für gesamtgesellschaftliche Probleme, wie den demografischen Wandel oder den Pflegekräftemangel, präsentiert wird. Zum anderen zeigt die Analyse, dass in den Dokumenten, die Handlungsrahmen schaffen, Digitalisierung im Alter nicht thematisiert wird. Diese fehlende Fokussierung hat zur Folge, dass Handlungsstrategien schwach ausfallen.